Deep Dive: Klinischer Nutzen von Capsaicin bei neurogener Dysphagie
Vertiefte Auseinandersetzung mit Anwendung, Wirkung, Evidenz und Praxis
Frauenfeld
Bei neurogener Dysphagie treten neben Schluck- häufig auch Hustenfunktionsstörungen auf. Die damit assoziierten Defizite im Schutz der Atemwege bedeuten für die Betroffenen: Ausgerechnet, wenn das Risiko zu aspirieren aufgrund der Dysphagie erhöht ist, sind sie in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, aspiriertes Material sensorisch wahrzunehmen und aus den Atemwegen zu entfernen. Eine typische und schwerwiegende Komplikation ist die Aspirationspneumonie. Trotz fortwährender Ausweitung und Verbesserung des Therapieangebotes bleibt sie eine der häufigsten Todesursachen.
Mit Capsaicin steht dem Behandlungsteam ein nicht-deklarationspflichtiges Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung, das es Dysphagie-PatientInnen mit erhöhter Hustenreizschwelle erlaubt, das aufgrund ihrer neurologischen Erkrankung unzugängliche Hustenpotenzial zu mobilisieren und bei Bedarf »aus eigener Kraft« ein Atemwegsclearing durchzuführen. Systemisch angewendet kann Capsaicin zudem dazu beitragen, das Aspirationsrisiko zu senken, indem es durch Verbesserung der pharyngealen Sensibilität und Verkürzung der Latenzzeit das Schlucken „sicherer" macht.
Das Seminar zeigt auf, wie Capsaicin neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen kann und bietet den Teilnehmenden einen vertieften Einblick in die Anwendungsmöglichkeiten in der Behandlung protektiver Defizite. Neben den Basics zur Wirkung und dem Wirkmechanismus der verschiedenen Anwendungsformen, liegt der Fokus der ganztägigen Veranstaltung auf deren Einsatz im klinischen Alltag. Anhand von Fallbeispielen und Videosequenzen werden Chancen und Grenzen des Alkaloids aufgezeigt und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung erläutert. Ergänzend werden diagnostische Abläufe und mögliche Therapiepfade präsentiert.
Bitte beachten Sie: Anmeldungen können nur während unserer Bürozeiten MO-DO 08:00-16:00, FR 08:00-13:00 Uhr bearbeitet werden.
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[9] Lüthi-Müller E, Kool J, Mylius V, Diesener P, (2022), A new therapeutic approach for dystussia and atussia in neurogenic dysphagia: Effect of aerosolized capsaicin on peak cough flow, Dysphagia, 1814-21, 37
250,00 €
freie Plätze vorhanden
| Seminar-Nr.: | 2721-FRA |
|---|---|
| Seminarort: | Frauenfeld |
| Datum: | Sa. 29.05.2027 | 10:00 - 17:30 |
| Punkte: | 8 |
| Praxis: | 4 |
Über Eliane Lüthi-Müller
Nach dem Studium zur diplomierten Logopädin EDK an der Universität Basel arbeitete Eliane Lüthi-Müller mehrere Jahre an einer Heilpädagogischen Tagesschule mit Kindern und Jugendlichen mit Mehrfachbehinderung (Schwerpunkt Dysphagie und Unterstützte Kommunikation). Mit dem Wechsel zu den Kliniken Valens verlagerte sich ihr beruflicher Schwerpunkt auf die neurologische Rehabilitation von Erwachsenen.
In den Fokus ihrer Forschungstätigkeit rückten der Wirkstoff Capsaicin und sein klinischer Nutzen bei neurogener Dysphagie erstmals im Rahmen des Master- respektive Doktoratstudiums. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten Eliane Lüthi-Müller und ihr Team 2022 in der Fachzeitschrift „Dysphagia". Im Frühjahr 2023 wurden sie mit dem renommierten Forschungspreis der Rehaklinik Rheinfelden (Schweiz) ausgezeichnet. Derzeit arbeitet sie an einer Nachfolgestudie, in der die Effektivität des Atemwegsclearings nach der hustenstimulierenden Behandlung mit Capsaicin-Aerosol mittels bildgebendem Verfahren (FEES) untersucht wird.