Mehrsprachige Kinder mit Intelligenzminderung
Sprachliche Vielfalt logopädisch unterstützen
Mehrsprachige (bzw. bilinguale) Kinder erwerben ihre Sprachen grundsätzlich ähnlich wie einsprachige Kinder. Sie stützen sich dabei auf sozial-kommunikative und kognitive Ressourcen. Diese können bei Kindern mit Intelligenzminderung eingeschränkt sein und die (Mehr-)Sprachentwicklung beeinflussen. Auch veränderte Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse wirken sich auf die Kommunikation aus. In der Praxis sehen wir häufig mehrsprachige Kinder mit Intelligenzminderung, deren sprachliche Entwicklung – trotz höheren Lebensalters – auf frühen Erwerbsstufen stagniert und die sich im Bereich eines sprachlichen Entwicklungsalters von etwa ein- bis fünfjährigen Kindern bewegen.
Daraus ergeben sich zentrale Fragen für Diagnostik und Therapie: Welche sprachrelevanten Ressourcen können genutzt werden und wie lassen sich mehrsprachige Kontexte bei Intelligenzminderung berücksichtigen? Auf Grundlage aktueller Forschung, linguistischer Modelle und praxisnaher Erfahrungen werden diese Fragen im Seminar aufgegriffen.
Im Fokus stehen zentrale Bereiche des frühen Spracherwerbs: Pragmatik, Lautbildung, Wortschatzentwicklung sowie erste morpho-syntaktische Strukturen. Darauf aufbauend wird ein Leitfaden für die Diagnostik mehrsprachiger Kinder mit Intelligenzminderung vorgestellt. Dazu wird auf die geeignete Auswahl und Anpassung der Diagnostikmaterialien hingewiesen. Fallbeispiele mit unterschiedlichen Störungsprofilen veranschaulichen das Vorgehen. Konkrete, entwicklungsorientierte Therapieschritte werden vorgestellt und erprobt. Bewährte Methoden, Materialien, digitale Hilfsmittel und Spiele werden unter Einbezug des aktuellen Forschungsstandes vorgestellt und in ihrer Praxistauglichkeit reflektiert. Auch der Einbezug der Angehörigen sowie kultursensible Beratung werden thematisiert. Praxisübungen und kollegialer Austausch unterstützen den Transfer in den Alltag.
Bitte beachten Sie: Anmeldungen können nur während unserer Bürozeiten MO-DO 08:00-16:00, FR 08:00-13:00 Uhr bearbeitet werden.
Aktas, M. (2012). Entwicklungsorientierte Sprachdiagnostik und -förderung bei Kindern mit geistiger Behinderung: Theorie und Praxis. München: Urban & Fischer.
Langdon, H. W. (2015). Raising children bilingually. Health Psychology Report, 3(3), 260-268.
Rupp, S. (2013). Semantisch-lexikalische Störungen bei Kindern. Berlin: Springer.
Wilken, E. (2022). Zwei- und Mehrsprachigkeit bei Kindern mit kognitiven Beeinträchtigungen. Stuttgart: Kohlhammer.
320,00 €
freie Plätze vorhanden
| Seminar-Nr.: | 2709-OND |
|---|---|
| Seminarort: | Online |
| Datum: | Fr. 05.03.2027 | 09:00 - 16:30 Sa. 06.03.2027 | 09:00 - 16:30 |
| Punkte: | 16 |
| Theorie: | 7 |
| Praxis: | 9 |
Über Carolin Carles
Carolin Carles ist Logopädin (B.Sc.), Klinische Linguistin (M.Sc.) und freiberufliche Dozentin.
Nach ihrem Logopädiestudium an der Hochschule Fresenius und ihrem Masterstudium in Klinischer Linguistik an der Universität Bielefeld sammelte sie praktische Erfahrungen in einer logopädischen Praxis und verschiedenen Bildungseinrichtungen, bevor sie 2012 in Wissenschaft und Lehre tätig wurde. Sie hat sich auf den Bereich der Kindersprache spezialisiert und bietet Fortbildungen in diesem Bereich an. Seit 2022 arbeitet sie als klinische Linguistin in der interdisziplinären Frühförderung. Ihre Forschungs- und Therapieschwerpunkte liegen auf der Therapie von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen, assoziiert mit zusätzlichen Entwicklungseinschränkungen (Syndrom oder kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung). Weitere Themenfelder sind: Mehrsprachigkeit, Pragmatik sowie Sprachentwicklung und ihre Störungen.